Reisebericht

Ich wollte auch mal einen Reisebericht verfassen. Hier ist er:

Reisebericht  Überführungstörn 22. Bis 26. August 2012

Heerenveen-Harlingen-Borkum-Weener(Ems)

Mittwoch, 22.August 2012

Um halb acht ist Beccy aus Gießen angekommen.  Ich freue mich sie wieder zusehen. Und sie freut sich natürlich auch, aber Ihre Katze Anuk scheint doch etwas Vorrang zu haben.

Bevor wir nach Heerenveen fahren, gibt es noch etwas zu Essen: Eintopf aus grünen Bohnen, Tomaten und Mettwurst. Wer weiß wann es wieder was Gutes gibt!
An dieser Stelle: Vielen Dank Ingrid, für das leckere Essen!
Um neun machen wir uns dann auf den Weg über Meppen, Sebi einsammeln, nach Heerenveen zur Aldebaran. Um kurz vor 10 sind wir in Meppen, und um viertel nach elf in Heerenveen. Björn (Kapitän Björn alias Capt. Hell) Capt. Hell
ist schon da. Werner und Christie sind mit ihm schon früher am Abend angekommen. Nach ein, zwei oder drei Bierchen gehen wir alle schlafen, schließlich haben wir ja noch ne Strecke vor uns!

 

 

Donnerstag, 23. August 2012

Um 7:30 kann ich nicht mehr schlafen. Die Blase drückt, und etwas unruhig bin ich. Ich will endlich loskommen. Bis die anderen auf sind hole ich Brötchen und Geld. Wieder zurück im Hafen frühstücken wir im Cockpit bei Sonnenschein. Mit Kaffe, Tee, Schinkenwurst, Käse, Honig und Marmelade lassen wir es uns gut gehen.
Nach dem Frühstück montiere ich noch das neue Funkgerät, damit wir kommunizieren, und aktuelle Wetterinformationen erhalten können.
Dann geht’s los. 10:10Uhr: Leinen los, und mit 5 Knoten Fahrt Richtung Princess Margriet Kanaal.
Die erste Brücke in Terherne ist schnell hinter uns gebracht, Im Sneeker Meer herscht schon reger Betrieb. Leider haben wir die ganze Zeit Wind gegen an. Das bedeutet: Motoren… L Anfängliche Hoffnungen, dass ab dem Johan Friso Kanaal gesegelt werden könnte, mussten wir dann doch aufgeben. Der Motor knattert bis Stavoren.

 

Achso, unterwegs reparieren wir noch unser Topplicht. Nachdem wir Beccy in den Mast gezogen haben, und sie festgestellt hat, dass die Birne doch nicht kaputt ist, kann der Fehler ja nur in dem ganzen Kabelgedöns liegen.
Beccy im MastNach einer halben Stunde suchen und testen stelle ich fest, dass die Kabel-Verbindung in den Mast sich gelöst hat. Schraube andrehen, fertig! Topplicht geht!

Gegen 16.30Uhr haben wir die Schleuse Stavoren hinter uns. Und Endlich: Segel setzen!! Mit Nord-Kurs und 3 Bft aus SW geht es Richtung Schleuse Kornwerderzand. Wenige Meilen vor der Schleuse lässt der Wind nach, und die Unterwassergenua muss wieder aktiviert werden. Erst nur unterstützend, später dann als einziger Antrieb bringen wir die letzten Meilen bis Harlingen hinter uns. Wir sind spät dran. Es ist kurz vor Niedrigwasser! Grundsätzlich kein Problem im Fahrwasser. Wenn die eine Sandbank vor Harlingen nicht wäre. Unser Skipper (Björn) ist sich sicher, wir schaffen das! Zur Erklärung: Unser Schiff hat einen Tiefgang von 1.65m. Die Sandbank liegt bei niedrigstem Niedrigwasser nur 1,4m unter der Wasseroberfläche. Heute sollten wir dort 1,7m Wasser haben. Optimistisch gesehen!
Also: Augen zu und durch! Die erste Grundberührung haben wir schon zwei Meilen vor der Sandbank. Was war das? Ups, wir hatten kurz das Fahrwasser verlassen. Nicht aufgepasst, immer schön die Tonnen im Blick halten! Aber: Nix passiert. Aber die Spannung wuchs, je näher wir der Sandbank kamen. 3m Wassertiefe, fallend… 2m…. 1,9m …..2m …..1,8m …. So geht das eine gefühlte Stunde! Und? Keine weitere Grundberührung! Geschafft!
HaarlingenBis wir das Hauptfahrwasser vor Harlingen erreichen, und in den Hafen einfahren ist es bereits dunkel. Der Hafenmeister schläft noch nicht und macht uns noch die Brücke auf. Im Vorhafen wollen wir festmachen, damit wir bei nächstem Hochwasser (03:00 Uhr) wieder auslaufen können.
Um 22 Uhr liegt die Aldebaran nun sicher längsseits eines Plattbodenschiffes. Das Anlegebier schmeckt so gut, dass wir ernsthaft diskutieren, ob es Sinn macht in 4 Std. wieder aufzustehen und loszufahren. Zumal der Wind ja mittlerweile völlig eingeschlafen ist. Es dauert ca. 3min. zu entscheiden: Es macht keinen Sinn. Also den Plan kurzerhand umgeschmissen: Borkum wurde als Zwischenstopp gestrichen. Neuer Plan ist: 14 Uhr Abfahrt Harlingen, Nonstop bis Weener. Aus Spaß sage ich, wir sind Samstag um 17.00 Uhr in Weener! 

Da wir ja nun etwas Zeit (zu schlafen) haben, machen wir uns doch noch auf den Weg in die City. Die erste Kneipe ist schnell erreicht. Während Beccy und Björn noch auf der Suche nach was zu Rauchen sind, trinken Sebi und ich schon mal das erste Bier. Erfolglos kommen die beiden wieder. Wir genießen den Abend mit zwei weiteren Bieren erst in der Kneipe, dann davor, damit Björn in Ruhe eine schmöken kann.
Zurück auf dem Boot trinken wir noch ein, zwei Bier und Beccy ihren Weißwein.  Auch der Whisky muss dran glauben. Aber schon bald sind Beccy und ich müde und gehen in die Koje. Björn und Sebi gehen nochmal los zum Biertrinken. Wer weiß wie lange die weg waren… Ich hab nix mehr mitbekommen. Am nächsten Morgen waren beide wieder da!

Freitag, 24. August 2012

Ohne Wecker stehen wir gegen halb 10 auf. Diesmal war Sebi früh. Er kauft noch vorm Frühstück Filet Americaans! (Das gibt Bonuspunkte!)Sebi
Da nun einige Plattbodenschiffe reinkommen, müssen wir unseren Platz räumen. Wir verholen kurz in den Yachthafen (noch eine Brücke weiter).
Nach dem Frühstück gehen wir dort noch einmal durch die Einkaufsmeile, Beccy bekommt ein neues Cappy, und beim Albert Hein kaufen wir ein paar Leckere Sachen (Cassis, Schokolade, Bier,…).
Dann geht’s los. Alles Seeklar verstaut unter Deck, machen wir um viertel vor 2 Mittags die Leinen los. Um kurz nach zwei sind wir Fahrwasser Richtung Terschelling. Nur der Wind fehlt. Wie gut dass wir einen Motor und ´nen vollen Tank haben. Fähre nach Terschelling
Etwa auf halber Strecke nach Terschelling kommt dann doch etwas Wind aus SSO. Wir setzen die Fock als Unterstützung für den Motor. Gegen 18 Uhr erreichen wir unsere letze Fahrwassertonne zwischen Terschelling und Vlieland. Björn meldet uns über Funk „ab“. Ab hier geht’s erst nach Norden, bis an die Quadranten, die das Flachwasser vor den Inseln markieren. Als wir den ersten Quadranten hinter uns haben setzen wir das Großsegel und schalten endlich den Motor ab.
Unter vollen Segeln gen Osten! Zwar ist der Wind nicht stark, aber immerhin haben wir welchen. Etwa 2-3 Bft treiben uns mit 4-5 Knoten vorwärts. Leider treibt uns der Strom noch mit 1 Knoten wieder zurück. Mit 3-4 Meilen pro Stunde kommen wir unserem Ziel zwar langsam aber näher!
Es dämmert langsam und wir machen die Dreifarbenlaterne im Masttopp an. Nur: sie geht nicht!! Es wird dunkler und wir fahren ohne Beleuchtung! Uns sieht keiner!! Ich teste nochmal die Kabelverbindungen. Aber es ist alles in Ordnung, soweit ich das  Beurteilen kann.Sonnenuntergang
Hilft nichts, Topplicht wieder abklemmen (hatte ich gestern ja erst repariert) und mit rot/grün vorne und Hecklicht fahren. Großer Nachteil: Höherer Stromverbrauch, da nicht eine Lampe sondern drei Lampen leuchten! Aber es nützt ja nichts.
Da meine Wache von 4-8 ist lege ich mich gegen halb 11 etwas hin. Beccy hat sich kurz vorher schon verkrochen, und ich lege mich zu Ihr! Etwas schlaf täte uns gut. Wie gesagt: Schön wärs! Der Wind nimmt zu, das Boot krängt immer mehr. 15-20° Schräglage, und die verdammten kurzen Wellen. Da stampft das Boot doch ganz ordentlich auf und ab. An schlafen ist nicht zu denken. Der Wind nimmt immer weiter zu: geschätzte 5 Bft. Björn ist alleine im Cockpit, da Sebi sich mittlerweile auch hingelegt hat. Ich höre ihn rumrödeln. Hmm, ich kann eh nicht schlafen. Also ziehe ich mich wieder an, und sehe mal nach, ob ich ihm helfen kann. Sebi steht auch wieder auf. Seine Wache fängt ja gleich um 12 an. Na dann kann ich mich  ja wieder hinlegen. Ich versuche nochmal einzuschlafen. Aber bei mittlerweile vielleicht 6 Windstärken und diesen blöden kurzen Wellen stampft das Boot 0,5m rauf und 0,5m runter. Und das noch nicht mal gleichmäßig. Ätzend sag ich euch.
Die Krängung nimmt auch weiter zu. Ich entschließe mich, doch endgültig wieder aufzustehen.
An Deck angekommen steht auch gleich Arbeit an: Segel reffen! Ein Reff in´s Großsegel. Gut. Ich ziehe meine Rettungsweste an, sichere mich mit dem Lifebelt und klettere zum Mast. Was tagsüber bei ruhiger See ganz einfach ist, wird nachts bei Seegang schon anstrengender.  Björn löst das Großfall, ich ziehe es langsam runter bis zur ersten Reffkausch, hake diese ein, und Björn zieht das Fall wieder auf. Noch die Reffleine dichtholen, Segel verbändseln, und fertig. Schon liegt die Aldebaran etwas ruhiger und vor allem mit weniger Krängung im Wasser.
Gegen halb fünf haben wir die Ansteuerungstonne Westerems in Sicht. Aber nicht voraus wie gedacht. Wir sind etwa eine Meile zu südlich! Wir fahren direkt auf unbeleuchtete Tonnen zu! Und das im Dunkeln! Schnell korrigieren wir den Kurs in nördlicher Richtung zwischen 3 auf Rede liegenden großen „Pötten“ durch.  Um 5 Uhr passieren wir die Ansteuerungstonne Westerems. Und biegen ins Fahrwasser ein. Hier will Björn uns über Funk bei der Küstenwache wieder anmelden, da stellen wir fest: low battery! Sch***e! Hilft nichts, Maschine an und Standby laufen lassen, damit wir über die Lichtmaschine Strom bekommen. Gott sei Dank haben wir zwei getrennte Batterien damit der Motor noch anspringt. Und er springt an!
Wir segeln weiter zwischen unbeleuchteten Tonnen Richtung Borkum. Ein kräftiger Regen-Schauer umhüllt uns. Wir halten eisern durch. Langsam könnte man meinen es wird heller. Ja, es wird heller. Borkum ist in Sicht. Doch die See wird immer unangenehmer. Das ablaufende Wasser der Ems kommt uns entgegen, und damit bauen sich höhere und spitze Wellen auf. Das Schiff stampft wie noch nie. Das zehrt doch sehr an unseren Kräften und Nerven. Wir überlegen kurz ob wir nicht doch in Borkum noch einen Zwischenstopp einlegen. Doch die Zeit und die hoffentlich bald einsetzende Flut sprechen dagegen. Wir fahren weiter. Sebi und ich haben nun das Kommando. Der Kapitän hat sich  schlafen gelegt. Zusammengekauert am Kartentisch schläft er. Ich frag mich zwar, wie man dieser Position schlafen kann, aber wenn man müde genug ist…
Kurz vorm Knock wird die See ruhig und Björn übernimmt wieder das Kommado. Wir anderen legen uns schlafen.
Endlich ruhige See, ich schlafe tief und fest. Erst am Sperrwerk werden wir geweckt. Die letzte Etappe steht vor uns: Die Ems. Mit 2-3 Knoten Strömung und 5 Knoten Fahrt durchs Wasser rasen wir mit 8 Knoten (knapp 15km/h) Strömung in der EmsRichtung Weener. In der Schleuseneinfahrt vor Weener fahren wir uns nochmal kurz fest, und die letzten 100m im Hafen ziehen wir auch eine Furche in den Schlick. Naja, mit einer Landwirtin an Bord muss auch mal gepflügt werden!
DOCH: Wir erreichen überpünktlich um viertel vor 5 nachmittags unser Ziel: Der Schlepper Motor 1 in Weener!

GESCHAFFT! Wir auch!

(geschrieben von Tim in Erinnerungen schwelgend…)

Tim

 

 

 

 

 

 

P.S.: Hier der Bericht nochmal als PDF zum Download.

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